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Ortsgeschichte

Entstehung der Ortschaft

Auszug aus „Ortsgeschichte Tütschengereuth“ von Hans Salberg:Tütschengereuth ist noch nicht besonders alt und dürfte erst in der letzten Periode unserer Dörfergründungen um das 13. Jahrhundert entstanden sein, wie es bei vielen hochgelegenen Orten der Fall ist. Urkundlich wird es erstmals im Jahre 1352 erwähnt, und zwar bei folgender Gelegenheit:
Zwischen den Bamberger Bürgern Brunwart Rabenekker, Dietrich Gundloch, Konrad, Franz und Fritz den Münzmeistern einerseits und Dietrich, Abt des Klosters Michaelsberg, war ein Streit entstanden um ein Feld und Holz bei Tütschengereuth im Kolergrund zwischen dem Hohenbühl und des Schultheißen Holz. Ein Schiedsgericht unter Fritz Zolner an der Prukken als Richter sprach Feld und Holz dem Abt und Kloster zu am 17. Januar 1352.
Postkarte

Nach meinen Ermittlungen beim Staatsarchiv Würzburg, Staatsarchiv Bamberg sowie beim Hauptstaatsarchiv München ist diese vorbeschriebene Urkunde wohl die älteste, in welcher die Ortschaft Tütschengereuth urkundlich bezeugt wird.
Zum besseren Verständnis dieser Urkunde für den uneingeweihten Leser möchte ich folgendes bemerken: In dieser Urkunde ist für manche Buchstaben ein anderer Buchstabe gesetzt, zum Beispiel für den Buchstaben „u“ steht der Buchstabe „v“, und noch vieles ist anders.

Bei meinen Nachforschungen über die Entstehung der Ortschaft Tütschengereuth finde ich folgende Urkunde:

Am 7. Mai 1008 erwirbt Kaiser Heinrich 11. vom Würzburger Bischof ein Gebiet, das begrenzt wird „von der Stelle der Einmündung der Aurach in die Regnitz, abwärts bis zur Einmündung in den Main, den Main abwärts bis Viereth, dann das Bächlein aufwärts, das durch den Ort fließt, bis zur Quelle dieses Bächleins, von der Quelle geradewegs wieder zur Aurach“.
Dieses Bächlein ist der Viehbach, welcher noch heute durch Viereth fließt. Er ist uns allen sehr bekannt. Wir müssen deshalb auf Grund dieser Urkunde annehmen, daß die Grenze zur Aurach unmittelbar an der Ortschaft Tütschengereuth vorbeiführte.

Die Ortschaft Tütschengereuth wird aber in dieser Urkunde noch nicht genannt. so daß sie also im Jahre 1008 noch nicht bestanden hat.
Damit darf aber nicht angenommen werden, daß die Ortschaft Tütschengereuth um das Jahr 1352 entstanden ist. weil sie 1352 erstmals urkundlich genannt wird, sondern die Entstehung der Ortschaft kann sehr viele Jahrzehnte voraus liegen.

Name der Ortschaft

Auszug aus „Ortsgeschichte Tütschengereuth“ von Hans Salberg:

Über die Entstehung des Namens der Ortschaft Tütschengereuth sind die Ansichten geteilt. Wenn auch über den zweiten Teil des Namens „gereuth“ kaum ein Zweifel bestehen dürfte, er ist eben die Bezeichnung für „Roden“ oder „Reuten“, wie der Volksmund sagt. Dagegen wird der erste Teil „Tütschen“ nicht einheitlich geschrieben. Es gibt Meinungen, daß die Rodung von Deutschen erfolgt ist, im Gegensatz zu den schon früher erfolgten slawischen Rodungen in unserer Gegend. Sie wurde deshalb als „Deutsches Gereuth“ bezeichnet.

Die älteste Urkunde über die Ortschaft aus dem Jahre 1352, welche im Original in Abschnitt II wiedergegeben wird, bringt sie als „Tütschengereut“. In der Beschreibung „Die Zenten des ehemaligen Hochstifts Würzburg“ von Knapp heißt es förmlich „Teutschengereuth“, ebenso bei Biedermann: „Geschlechtsregister des Landes Franken“.

Die beiden Söhne des Hans Zöllner von Brand, Joachim und Georg, welche um das Jahr 1613 gelebt haben, nannten sich von Teutschengereuth. Im Zentbuch des Bischofs Julius von Würzburg vom Jahre 1576 und auch im Bundschuh „Lexikon von Franken“ im Jahre 1804 heißt es Tütschengereuth. Auch in der um das Jahr 1590 gefertigten Karte des Martin Seger von der Zent Hoheneich heißt es Tütschengereuth. Die Geschichtsforscher A. ZiegeJhöfer und Dr. G. Hey sind in ihrer Beschreibung „Ortsnamen des ehemaligen Hochstifts Bamberg“ anderer Meinung. Diese leiten den Namen von den Gereuth eines Tutso oder Teutso ab. Demnach wäre Tütschengereuth eine slawische Rodung und hätte seinen Namen von einem Tutso oder Teutso. welcher hier zuerst gerodet hat. Auch diese Meinung kann vertreten werden, da feststeht, daß die Slawen in unserer Gegend gerodet haben. Auch der Flurname „Dietzenäcker“ spricht für diese Meinung. Dr. Peter Schneider, der Gründer des Frankenbundes Bamberg, schreibt in seinem im Jahr 1958 herausgegebenen Buch: „Der Steigerwald in seiner Gesamtschau“ über die Entstehung des Ortsnamens Tütschengereuth folgendes: Deutung des Namens als „Deutschengereuth“ im Gegensatz zu einem „windischen“ Gereuth ist nicht möglich. Man könnte eher an die Rodung eines Tutso, Koseform von Tuto denken, wie jener Domscholastiker hieß, der Zeitgenosse des hl Otto, welcher Domstift und Michaelsberg beschenkte. Doch auch diese Deutung wird umgeworfen durch einen Namen in der einstigen Flur von Schmerb bei Ebrach: „Wettäcker“ (Äcker in der Weed) im „.Dütschengereuth“.

Hier besteht keinerlei Zusammenhang mit unserem „Tütschengereuth“, vielmehr kommt der Name hier wie dort von Dutze (Rohrkolben), das ist ein Schilfgewächs. Es handelt sich hier in beiden Fällen um den einstigen schilfigen Wasserstau in Hochmulden des Keupers.

Diese Deutung des Ortsnamens ist sehr wahrscheinlich, da nach der Ortsgeschichte an der Stelle des heutigen Friedhofes ein See gewesen sein soll, welcher erst trockengelegt werden mußte.

Eine vollkommen einwandfreie Deutung des ersten Teils unseres Ortsnamens wird kaum möglich sein, da sich alle Angaben der Geschichtsforscher nur auf Vermutungen stützen, urkundlich aber nicht bezeugt werden können.

Dr. Konrad Arneth, Bamberg, der Verfasser der Ortsgeschichten Bischberg und Trosdorf, welcher die Ortsgeschichte von Tütschengereuth durchgesehen hat, ist über die Entstehung des Ortsnamens Tütschengereuth folgender Meinung:

Die Orte auf -reuth bezeichnen eine Rodung. Das gilt auch für Tütschengereuth. Es ist doch wohl das übliche oder selbstverständliche, daß man eine Rodung nach dem benannte, der sie veranlaßte oder anlegte. Gewiß, es gibt z. B. ein Hohenreuth, d. i. die hochgelegene Reut, oder die Vorderreuth (Lkr. Stadtsteinach), d. i. die vordere im Gegensatz zur hinteren Reut. Aber daß man eine Rodung nach den Rohrkolben benannte, die gerade in oder an einem Teich wuchsen, das scheint recht unwahrscheinlich.

Bedenklich ist schon, daß man dieses Dutze = Rohrkolben in keinem Wörterbuch finden kann, weder in Schmellers „Bayerischem Wörterbuch“ noch im Deutschen Wörterbuch u. a. Es soll nicht verschwiegen werden, daß in der Kurzfassung der Kunstdenkmäler Bayerns der Stadt Nürnberg Dutzenteich (1490 Tutschetey) als Rohrkolbenteich erklärt wird. Das mag sogar richtig sein, aber warum hat, wenn der erste Wortteil in Tütschengereuth und Dutzenteich gleich sein soll, der eine Name den Umlaut Ü, der andere nicht? Das allein weist darauf hin, daß beide Namen nichts miteinander zu tun haben.

Man kann einen Ortsnamen nicht nur vom sprachlichen Standpunkt aus betrachten, sondern muß ihn auch in die Siedlungsgeschichte hineinstellen. Tütschengereuth wird wohl einst vom Maintal aus. d. h. von dessen Siedlungen aus, gegründet worden sein, vielleicht von den alten Orten Viereth oder Bischberg. Nach der Urkunde des Michelsberger Abtes Walther von Stolzenrode, ausgestellt am 17. April 1343, besaß in Bischberg ein gewisser Tusch einen Hof. In dem Büchlein „Bischberg ein fränkisches Ganerbendorf“ kann man auf Seite 16 lesen, daß 1413 Güter der Hilte Tutsch(e)in auf die Frau Angnes Tütschein übergegangen seien. 1420 besitzt ein Hans Tutsch auch ein Gut in diesem Ort. Das Michelsberger Zinsbuch, ca. 1375, kennt einen Martin Tütsch.

Wie steht es nun mit den verschiedenen Formen Tusch, Tutsch oder Tütsch? Erstens muß man daran denken, daß die lateinkundigen Schreiber von damals keinen Umlaut u zu ü kannten, den Umlaut von a und o schrieben sie ja ae und oe; darum machten sie gewohnheitsmäßig keinen Unterschied zwischen Tusch und Tüsch. Ferner ist es eine bekannte Erscheinung, daß diesen Schreibern die unlateinische Buchstabenverbindung -tsch- schwer fiel; sie ersetzten sie meist oder oft einfach durch sch wie in Tusch. Tutschein entspricht unserer heutigen Form Tütschin; dieses -ein der Endung wurde in der Mundart zu -a; wir würden heutzutage Tütscha sagen.

Die oben angeführten Vertreter der Familie Tütsch zeigen, daß sie nicht nur zahlreich, sondern auch wohlhabend waren. So kann es gewesen sein, daß Angehörige dieser Familie Tütsch von Bischberg aus droben auf der Höhe sich niederließen und so den Ort begründeten, den man nach ihnen Tütschengereuth benannte.

Tütschengereuth ist also die Rodung eines Tütsch.

Wenn dem so ist, so kann man auch Schlüsse auf die Zeit der Entstehung des Ortes ziehen. Man kann sagen, daß sich um 1300 im Gebiet der Umgegend von Bamberg die ersten Beinamen zu den Vornamen zeigen, die dann zu Familiennamen werden konnten. Das war bei den Tütsch bereits der Fall. Darum wird es erlaubt sein, die Gründung von Tütschengereuth in die Zeit nach 1300 anzusetzen.

Vielleicht erscheint es angemessen, auch den Namen Tütsch zu erklären. In jedem größeren Namenbuch kann man nachlesen, daß zu den Vornamen wie Dietrich oder Dietmar eine sog. Koseform auf z gebildet werden konnte. So entstand der Name Dietz oder Tietz. In der Bamberger Mundart konnte dieses Dietz durch die sog. Verbreiterung des tz zu Dietsch werden, wie z. B. aus Fritz der Familienname Fritsch oder aus Ulrich über Ulz ein Ultsch entstand.

Bei uns gibt es nun noch die sprachliche Erscheinung, daß sich ein i zu ü wandelte und umgekehrt. So wurde z. B. Büttel zu Bittel; statt des Kissens und seiner Verkleinerung sprechen wir von einem Küssen oder Küssla. Aus dem alten Ortsnamen Birgau wurde unser heutiges Würgau.
Dementsprechend vermochte sich ein Dietsch zum heutigen Familiennamen Dütsch zu wandeln oder bei dem Ortsnamen zu Tütsch, vergleiche wieder Dietz und Tietz.

22. Juli 1975
(Dr. K. Arneth)

Gemeindezugehörigkeit

Bis 1974 war der Ort Tütschengereuth eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Bamberg.
In Sachen Schule hatte sich die Gemeinde dem damaligen Schulverband Aurachtal mit den Gemeinden Walsdorf, Kolmsdorf und Trabelsdorf angeschlossen und die Kirche gehörte seit langem zu der Kuratie Viereth.Bei der Gebietsreform zu Beginn der 70ziger Jahre wurde von den Gemeindebürgern in geheimer Wahl am 08. Dezember 1974 abgestimmt und die Gemeinde Tütschengereuth wurde ab dem 01. 01. 1975in die Gemeinde Trosdorf eingegliedert.Im zweiten Teil der Gebietsreform mußte die neu gebildete Gemeinde Trosdorf ihre Selbständigkeit gegen ihren Willen aufgeben und wurde ab dem 01. 01. 1978 in die Gemeinde Bischberg eingegliedert.
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